Kommunikationsfehler #2: Interessen statt Positionen: Konflikte besser lösen

Verärgerter Mann am Telefon während eines Konfliktgesprächs

📖 Kommunikationsfehler| Lesezeit: 3 Minuten | Grundlagen

Kommunikation

In der Serie „Kommunikationsfehler“ schauen wir uns typische Stolperfallen an und vor allem, wie es verständlicher geht.

Abstract

„Das machen wir so.“
„Nein, das funktioniert nicht.“
Und schon beginnt die Diskussion. Im Arbeitsalltag passiert das ständig. Zwei Menschen wollen unterschiedliche Dinge und versuchen, den anderen von ihrer Lösung zu überzeugen. Je länger das Gespräch dauert, desto mehr Argumente sammeln beide für die eigene Seite. Nur eine Frage bleibt dabei häufig unbeantwortet: Warum ist dir das eigentlich so wichtig?

Genau hier liegt ein Kommunikationsfehler, der viele Konflikte unnötig schwierig macht: Wir sprechen über Positionen, ohne die Interessen dahinter zu kennen.

Position oder Interesse – wo liegt der Unterschied?

Der Gedanke stammt aus dem Harvard-Konzept, einem bekannten Ansatz für Verhandlungen und Konfliktlösungen. Dabei wird zwischen Positionen und Interessen unterschieden.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied. Für ein Gespräch macht er aber einen großen! Solange wir nur über die Positionen sprechen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Freitag oder nicht Freitag. Sobald wir das Interesse kennen, können wir nach anderen Lösungen suchen.

Warum Positionen Konflikte so schnell festfahren lassen

Positionen sind konkret:
Freitag oder Montag.
Mehr Budget oder nicht.
Produktposts oder andere Inhalte.

Diese Positionen können wir wunderbar verteidigen, was wir häufig machen. Allerdings wird aus einem Gespräch über eine gute Lösung eine Diskussion darüber, wer sich durchsetzt. Bei dem Harvard-Konzept wird auch über das Feilschen von Positionen gesprochen. Jeder versucht mit einem K.O.-Argument denjenigen in die Ecke zu drängen. Aber ist das wirklich zielführend?

Die wichtigere Frage lautet nicht „Was?“, sondern „Warum?“

Wenn ein Gespräch feststeckt, braucht es deshalb nicht unbedingt ein besseres Argument. Oft braucht es erstmal eine bessere Frage.

Die Fragen könnten aussehen wie zum Beispiel:

  1. Warum ist dir das wichtig?
  2. Was möchtest du damit erreichen?
  3. „Was brauchst du, damit das für dich funktioniert?

Damit verschiebt sich das Gespräch weg von: Was willst du? hin zu: Was brauchst du eigentlich? Und genau dort entstehen häufig Möglichkeiten, die vorher gar nicht sichtbar waren.

Fazit

Unterschiedliche Meinungen gehören zum Arbeitsalltag. Sie sind nicht automatisch das Problem. Schwierig wird es, wenn zwei Menschen ihre Lösungen verteidigen, ohne zu wissen, welches Bedürfnis oder Motivation dahintersteht. Deshalb lohnt sich immer ein kurzer Perspektivwechsel:

Was fordert mein Gegenüber gerade und was ist ihm eigentlich wichtig dabei?

Denn zwei Positionen können weit auseinanderliegen, obwohl die Interessen dahinter ziemlich nah beieinanderliegen.

Manchmal braucht es nur einen Blick von außen, um zu erkennen, wo Kommunikation unnötig kompliziert wird. Gemeinsam schauen wir darauf, was du sagen möchtest und wie es bei deiner Zielgruppe wirklich ankommt.

Häufige Fragen

Welche Fragen helfen bei einem Konfliktgespräch?

Offene Fragen helfen dabei, mehr über die Sichtweise des Gegenübers zu erfahren. Dazu gehören beispielsweise „Was ist dir bei einer Lösung wichtig?“, „Was brauchst du, damit wir weiterkommen?“ oder „Welche Lösung wäre für dich vorstellbar?“

Wie bereite ich mich auf ein schwieriges Mitarbeitergespräch vor?

Vor einem schwierigen Gespräch hilft es, das eigene Ziel zu klären und zwischen Beobachtungen, Bewertungen und Vermutungen zu unterscheiden. Überlege außerdem vorab, welche Interessen die andere Person haben könnte und prüfe diese im Gespräch durch Nachfragen, statt sie vorauszusetzen.

Was tun, wenn ein Konfliktgespräch eskaliert?

Wenn Emotionen die sachliche Klärung verhindern, bringt ein weiteres Argument meist wenig. Hilfreicher kann es sein, das Gespräch zu unterbrechen oder bewusst auf das gemeinsame Ziel zurückzukommen. Anschließend lässt sich klären, was beide Seiten brauchen, um eine Lösung zu finden.

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